Autor Thema: Kurzgeschichten  (Gelesen 15415 mal)

Rob

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Re: Kurzgeschichten
« Antwort #15 am: Dezember 15, 2005, 18:34:33 Nachmittag »
Mmh, ist dieser Stil denn nötig? Ein ziemlich niedriges Sprachniveau ("Shit, Karre etc") aber vielleicht ist das beabsichtigt. Die Gedankengänge würde ich anders kenntlich machen. Mit Sternchen mitten in den text geschmissen wirkt irritierend und ist auf literarischer Ebene nicht sehr schön.

Ansonsten klingt es wie "Judge Dredd". Scheint eine ziemliche Antiphatiefigur zu sein.

Und nochwas Spezielles: "Die Marke blitzte auf.." was denn für eine Marke? An seinem Hemd? Wann hat er das angezogen? Danach zieht er seine "übrigen" Klamotten an, aber irgendwie passt dieses Detail nicht rein. Es ist, wie Til Schweiger immer so schön sagt, sehr erklärerisch!

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Das Rätsel der Eis-Sphinx
« Antwort #16 am: Februar 14, 2006, 11:45:43 Vormittag »
Das Rätsel der Eis-Sphinx

Aller Warnungen zum Trotze hatte er das Polarmeer durchschwommen, im kalten Glanz der scharfkantigen Eisberge, begleitet von dem unerbittlichem "Tekeli-li! Tekeli-li!" unsichtbarer Möwen. Nun befand sich der Reisende in einem unentdeckten Land, dessen von geheimnisvoller Trauer durchwobenes doch wundersam weißes Schimmern und Glänzen ihn zu verzehren, ja aufzusaugen schien. Entzog es ihm zwar Stunde um Stunde Kraft und Leben, übte es doch einen unwiderstehlichen Drang auf ihn aus, seine Reise fortzusetzen. Ja, denn Mysterien galt es hier zu lüften, deren Licht und Schatten sich in einem jedem Quadratzoll jener endlosen Landschaft aus Schnee und Eis und gefrorener Luft widerspiegelten. Jeder Schritt konnte Tod bedeuten: ein gleitender Fuß am milchigem Rande scharfer Klippen, ein zögerndes Verharren unter stürzenden Massen splitternden Eises, ein melancholischer Blick, der zu lange im blauen Spiegel der schimmernden Wände hing und sich selbst vergaß - alles konnte Tod bedeuten, ein Stillstehen der Zeit, Zersplitterung von Körper, Seele, Geist. Oh Schicksal! Oh erlösender, süßer Tod! Mit dem Land verschmelzen, welches Geheimnis ohne Antwort ist, weder Glas noch Kristall, Verheißung und Verneinung zugleich. Gefährliche Schönheit, die den Entdecker mit Verachtung straft! Würde er einfrieren, vergessen und für die Ewigkeit konserviert, in einem Block aus transparentem Eis? Oder fortgespült werden und sich auflösen im Ozean? Oder zerstückelt und gefressen von tausend hungrigen Schnäbeln?

Solcherweise sinnend schritt er voran, setzte unermüdlich einen Fuß vor den anderen, als ihn der Schnee umfing. Der Sturm wirbelnder Sterne blendete, rauschte und verwirrte dem einsamen Wanderer die Sinne. Keine Richtung, kein Ziel, kein Verlocken. Kein Licht und keine Finsternis. Sollte, musste er nun umkehren? Er drehte sich und rannte, unachtsam der Gefahren, die ihn umgaben, blindlings durch das Chaos. Doch wohin, Unglückseliger, den kein Schiff erwartet, kein rettender Hafen und kein schützendes Heim? Längst sind Finger und Zehen schwarz und taub, Sextant und Kompass Splitter im Schnee, erloschen das Firmament. Nur tiefer dringst du vor, in ein Reich, das zu betreten keinem Menschen gestattet ist. Traum ohne Erwachen, Halluzination und Wirklichkeit sind hier eins. Halte inne und lausche, höre die Klänge geheimnisvoller Sphären, das Raunen und Singen der Sphinx.

Ja, endlich, er sah! Er sah, und ein Schrei entsprang seiner Brust, brach aus seinen Lungen hervor, durchschnellte seine Kehle und verlies die vereisten Lippen doch nur als ein schwaches Röcheln, kaum hörbar, eine Dissonanz in der Winde eisigem Spiel. Diese Anstrengung hatte ihn kostbare Kraft gekostet, Kraft, die just in diesem Augenblicke am kostbarsten war: er glitt aus. Glitt aus und fiel.

Darnok

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Re: Kurzgeschichten
« Antwort #17 am: Februar 14, 2006, 15:37:54 Nachmittag »
Was ist das für ein Wesen, dass da durch Nordmeer schwimmt
und dann an
Land nicht mehr weiterkommt?
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Re: Kurzgeschichten
« Antwort #18 am: Februar 14, 2006, 16:06:28 Nachmittag »
Dazu sind keinerlei außergewöhnliche Fähigkeiten notwendig, ganz im Gegenteil. Der Widerspruch ist beabsichtigt. Ich hatte gedacht, damit wird klar, dass es sich um einen Erfahrungsbericht aus der Innenwelt, nicht der Außenwelt handelt.

Darnok

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Re: Kurzgeschichten
« Antwort #19 am: Februar 14, 2006, 18:01:05 Nachmittag »
Ok, das ist mir allerdings nicht klarr geworden. Da das Forum sehr fantasylastig ist, denkt man da immer zunächst an irgendwelche fantastischen Welten mit merkwürdigen Wesen.
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Re: Kurzgeschichten
« Antwort #20 am: Februar 14, 2006, 18:22:06 Nachmittag »
Nun ja, auch Fantasy-Welten sind in erster Linie Innenwelten.  :wink:

gemüse-ghoul

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Re: Kurzgeschichten
« Antwort #21 am: Februar 17, 2006, 11:20:43 Vormittag »
Ach, die Autorenintention ist ja bekanntlich tot! Der Leser muss draus machen, was er will! Und wenn nicht rüberkommt, was sich der Autor gedacht hat, hat er eben Pech gehabt!  :-P
"Finite players play within boundaries, infinite players play with boundaries." -- James P. Carse, Finite and Infinite Games.

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Abstieg
« Antwort #22 am: März 07, 2006, 18:24:12 Nachmittag »
Abstieg

"Für Euren Großmut, mich an Eurem Abstieg teilnehmen zu lassen, möchte ich Euch noch einmal danken."
"Oh, Monsterfutter für die erste Reihe kann man immer gebrauchen im Unterberg, Fremdling!"
"Höre nicht auf unseren Barbaren, Kapuzenbursche, der redet immer so."
"Dennoch, werter Herr Zwerg" sprach der nur leicht gerüstete Fremde in dem einfachen grauen Umhang, "Ihr Gefährten seid berühmt. Ich bin nur ein..."
"Wenn du dich bedanken möchtest, kannst du lieber meinen Rucksack tragen!"
"Es ist mir ein Vergnügen, goldgelockte Zauberin, seid Ihr doch so schön wie klug. Das Gewicht Eures Rucksacks würde Euch nur im Falle eines taktischen Rückzugs unnötig behindern, während es für mich nur wie leichter Beutel ist."
"Bei Hephendos, dessen Priester ich bin, genug der eitlen Rede, dort ist der Eingang! Wenn du beweisen möchtet, dass du kein Taugenichts bist, kannst du dich jetzt beweisen! Gehe 30 Fuß voraus und suche nach Fallen!"
***
Schaudernd standen die Abenteuerer in der uralten Eingangshalle, deren Boden und Wände einst in milchweißem Marmorglanz erstrahlt hatte und von feinsten Silberfäden durchwoben gewesen war - nun grau vor Alter, schwarz vor Ruß und braun von getrocknetem Blut, allen wertvollen Schmuckes beraubt und schändlichst entweiht. Doch die lähmende Stille, die nun anstelle lieblichen Gesangs heiliger Kinderchöre herrschte, ward vom jähen Schlag der schweren bronzenen Torflügel unterbrochen, welche die Gruppe kürzlich durchquert hatte, mit einem mal aber wie von Geisterhand verschlossen waren. Der Fremde aber senkte seine Hand, welche gerade erhoben, um seine Kapuze zurückzuschlagen, just als die Fackeln erloschen. "Willkommen in meinem Verlies!"
« Letzte Änderung: März 07, 2006, 18:26:46 Nachmittag von gemüse-ghoul »
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Re: Kurzgeschichten
« Antwort #23 am: Mai 31, 2007, 09:43:06 Vormittag »
Hagen

Fluchend wischte er sich mit dem zerrissenen Ärmel seines Hemdes die blutende Nase. Verdammte Orks! Als ob es nicht reichte, daß es seit einer Woche ununterbrochen regnete wie aus Eimern. Nein, es reichte auch nicht, daß sich Hagen gestern das Knie verstaucht hatte und nun befürchten musste, daß ihn die Orks doch noch erwischten. Dabei hatte alles so gut angefangen.
 Nach Wochen des herrlichen Nichtstuns war dieser reiche Händler an den großen, blonden Söldner herangetreten und hatte ihm fünfzig Goldstücke dafür geboten, daß er eine Schatulle in das zweihundert Meilen entfernte Quellmark brachte und dort einem Magier übergab. Gutes Gold für einen einfachen Auftrag. Natürlich hatte er angenommen, die zwei Goldstücke Handgeld genommen und war losgezogen. Er hätte es besser wissen müssen. Es war zu einfach.
 Die ersten drei Tage waren auch besser verlaufen, als Hagen es je zu hoffen gewagt hätte. Gastfreundliche Bauern, gutes Essen, weiche Betten. Und dann hatte es zu regnen begonnen. Hagen war aus unerfindlichen Gründen wohl irgendwie vom Weg abgekommen. Jedenfalls hatte er keine Ahnung wo genau er sich befand. Vorgestern hatte er die ersten Spuren gefunden. Orks. Mindestens fünf, hatte der Söldner geschätzt. Vorsichtig war er weiter gezogen, immer darauf bedacht, keine Spuren in den mittlerweile knöchelhohen Schlamm zu hinterlassen. Wegen der Geräusche machte sich Hagen keine Gedanken. Die würde bei dem Regen ohnehin niemand hören können. Vor einer Stunde dann hatte er einen der Orks enddeckt und sich vorsichtig an das mit knapp zwei schritt sehr kleine Wesen herangeschlichen. Sein erster Schlag mit seinem treuen Langschwert traf das Biest voll in den Rücken und Orkblut spritzte auf den regennassen Boden und verrann dort in roten Schlieren. Der Ork schrie auf, drehte sich halb um und schlug mit seiner Faust nach Hagen. Mitten auf die Nase. Der Söldner hieb weiter auf seinen Gegner ein, der zum Glück nur mit einer Keule bewaffnet war. Endlich klatschte der schwere Leib leblos zu Boden, wo er seltsam verkrümmt, wie eine groteske Puppe, die ein mutwilliges Kind weggeworfen hat, liegen blieb. Hagen wollte gerade aufatmen, da vernahm er die Schreie.
 Mist! Die anderen Orks hatten die Rufe seines mittlerweile toten Gegners gehört und kamen nun näher.
 Hagen begann zu laufen und rutschte prompt auf dem blut- und wassergetränkten Boden aus.

Fluchend wischte er sich mit dem zerrissenen Ärmel seines Hemdes die blutende Nase.

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