Autor Thema: [Rezension] Magische Zeiten  (Gelesen 6101 mal)

Darnok

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[Rezension] Magische Zeiten
« am: März 29, 2005, 20:03:52 Nachmittag »
Im Jahre 1984 erschien beim damaligen Spieleriesen Schmidt-Spiele ein völlig neues Produkt. In einer Pappschachtel mit dem Titel „Das Schwarze Auge“ fanden die Neugierigen ein damals noch weitgehend unbekanntes „Rollenspiel“. Heute ist DSA in Deutschland Marktführer, es bot sich also an das 20-jährige Jubiläum gebührend zu feiern und aus diesem Anlass ein Buch aufzulegen, dass sich nur mit diesem Rollenspiel befasst.
Es hatte etwas gedauert bis „Magische Zeiten“ endlich erschien, so dass wir uns mittlerweile im 21. Jahr seit der Geburt von DSA befinden, aber dies hat die Spannung auf den Inhalt des Buches nur weiter angeheizt.

Als Cover hat man das Titelbild des alten Magieheftes aus „Götter, Magier und Dämonen“ gewählt, dass uns recht deutlich vor Augen führt wie einen der W20 in seinen Bann ziehen kann.
Zudem fällt einem sofort die Musterung des Buches auf wenn man es von der Seite betrachtet. Weiße und graue Seiten wechseln sich ab, was daran liegt, dass die Kurzgeschichten einen grauen Rand spendiert bekamen wie man ihn aus den neueren Abenteuern kennt.
Eröffnet wird so ein Buch natürlich von einem Vorwort, doch da man sich in der Tradition der DSA-Romane sieht kommt zuerst ein Überblick über die aventurische Geographie. Da es sich aber um eine besondere Publikation handelt,gibt es statt einem Vorwort auch gleich drei bevor noch einmal ausführlich dargelegt wird was Aventurien eigentlich ist, welche Völker dort leben und welche Götter über diese Welt herrschen.
Für denjenigen der DSA bereits kennt steht hier nichts Neues, er wird sich wohl gleich der ersten Kurzgeschichte von Tom Finn zuwenden die den bezeichnenden Titel „Das Schwarze Auge“ trägt. Das Auge des Morgens wurde entwendet und ein junger Phexgeweihter wird beauftragt es wiederzubeschaffen. Die Geschichte bietet eine Menge Action, die Erzählweise erinnert an die schnellen Schnitte eines Actionfilms, der Einbruch auf einer Burg hat etwas von Mission Impossible. Zudem erfährt man hier noch einige Hintergrundinformationen aus dem Vorfeld des Jahr des Feuers.
Der nächste Abschnitt dagegen richtet sich wieder an diejenigen die dieses Buch wohl eher zufällig im Buchladen gesehen und gekauft haben. In „Heute ein Held“ erklärt Olaf Michel was Rollenspiel eigentlich ist und was man sich darunter vorzustellen hat bevor Mark Wachholz noch einmal ausführlich die irdische Geschichte von DSA Revue passieren lässt. Dieser Überblick basiert im Wesentlichen auf der bereits bei alveran.org veröffentlichten Geschichtsübersicht die hier aber noch ausgebaut wurde, dafür fehlen im Buch die Illustrationen.
Passend dazu trägt die nächste Kurzgeschichte den Titel „Am Anfang der Zeit“. Hadmar von Wieser verknüpft hier Vergangenheit und Gegenwart. Zum einen derisch indem er seine Helden eine mentale Zeitreise machen lässt, an der auch wieder ein Schwarzes Auge beteiligt ist, zum anderen irdische indem NPCs auftreten die von Anfang an dabei waren während anderseits die Geschichte mit dem aus seiner Feder stammenden Handyabenteuer „Absolute Macht“ verknüpft ist.
Danach folgt der dritte der Einführungsartikel. Diesmal geht es um Myranor, dass uns von Stefan Küppers und Michael Wuttke näher gebracht wird. Obwohl das Güldenland schon früh erwähnt wurde, dauerte es doch seine Zeit bis es spielbar wurde und so steht es nach wie vor im Schatten des ungleich erfolgreicheren Aventuriens.
Vor der nächsten Kurzgeschichte findet sich ein Liedtext von Martina Noeth, hier sogar mit Noten von Florian don Schauen versehen. Von diesen Liedern gibt es über das Buch verteilt noch einige. Sie sind nett zu lesen und vielleicht fühlt sich ja der ein oder andere auch berufen sie zu singen.
Susi Michels verrät uns in ihrer Kurzgeschichte was dem Schwert der Schwerter und dem Boten des Lichts in „Zwei stürmische(n) Tage(n)“ in den Bergen passiert ist. Hierbei wird zwar ein Thema aufgegriffen, dass im Aventurischen Boten erschien allerdings ist die Geschichte ansonsten auch ohne detaillierte DSA-Kenntnisse zu genießen.
Das nächste Kapitel verkündet uns freudig in der Überschrift: „Aventurien lebt“ und zeigt einige Seiten des großen Engagements des Fandoms auf der mittlerweile charakteristisch für DSA ist.
Von den Regelfüchsen deren Konzepte sich auch in DSA4 wiederfinden bis zu den Spielerbaronen des Briefspiels die oft entscheidend das Bild ihrer Region geprägt haben. Ein Wermutstropfen ist leider, dass der Artikel trotzdem nur sehr knapp ausgefallen ist und der Rote Dorn nicht genannt wird ;-).
Da wir uns mittlerweile in der Buchmitte befinden bekommen wir nun gleich zwei Geschichten hintereinander. In „Die Winde voller Trauer klagen“ lässt Martina Noeth Reichsbehüter Brin kurz vor seinem Tod sein Leben Revue passieren. Wer die letzten 20 Jahre DSA miterlebt hat mag vielleicht sogar seinen Helden in Brins Erinnerungen wiedererkennen. Wer sich dagegen nicht mit der neueren aventurischen Geschichte beschäftigt hat wird wohl nur halb so viel Freude am Lesen haben.
Ebenfalls mit der aventurischen Geschichte befasst sich Lena Falkenhagen in „Der Scharlachkappentanz“ in dem wir aus dem Mund einer der von Galotta versklavten Elfen endlich erfahren wie dieses denkwürdige Ereignis von statten ging. Die Motivation von Nahema allerdings bleibt so unklar wie zuvor, dafür wird uns die erschreckende Dekadenz des Hofstaats jener Zeit wohl umso deutlicher. Einige Seiten werden den multimedialen Erscheinungsformen von DSA gewidmet bevor es um ein ganz klassisches Medienerzeugnis zu DSA geht: Den Aventurischen Boten. In einer Sonderausgabe finden sich einige Artikel aus ganz Aventurien die allesamt auf Abenteuer des letzten Jahres bzw. des kommenden Jahres neugierig machen sollen. Das kann funktionieren und führt einem gleichzeitig die Verknüpfungen der verschiedenen DSA-Produkte vor Augen. So ist dieser Abschnitt zum einen Werbung für Abenteuerbände, zum anderen aber auch für den Boten selber von dem mancher der Käufer noch nie gehört haben wird.
Aber vielleicht sollte man sich darüber nicht zu viele Gedanken machen und sich lieber der nächsten Geschichte widmen in der uns Ina Kramer „Vanjescha“, die Tochter Stover Stoerrebrandts vorstellt. Die Geschichte ist eine typische Gassengeschichten, interessanter aber ist wohl, dass man hier wiedereinmal ein typische Eigenschaft von DSA findet.
Die Welt ist so groß und detailliert, dass auch Autoren sich widersprechen können, was aber den Fans nie lange verborgen bleibt. Vanjescha wird uns hier als blond vorgestellt im Abenteuer „Drei Millionen Dukaten“ dagegen hat sie rotbraunes Haar. Ihre Schwester dagegen ist hier eine fette Kröte, im Abenteuerband sieht sie auf dem Familienbild eher hager aus. Aber genauso typisch ist die Tatsache, dass es Leute gibt die sich über solche Dinge überhaupt den Kopf zerbrechen und dass sich für alles eine Erklärung finden lässt. Zwischen Geschichte und Abenteuer liegen Jahre, warum soll die eine sich nicht die Haare färben und die andere etwas abspecken?
Dadurch ist diese Geschichte wohl die einzigste des Bandes die man ohne Detailkenntnisse besser liest.
Wer sich dagegen für Details aus dem Redaktionsalltag interessiert der wird vielleicht bei dem folgendem Interview mit den Redakteuren fündig. Momo Evers hat dafür allerlei Fragen zusammengetragen und so erfahren wir, dass man sowohl über Computerspiele als auch über Mädchenzeitschriften zu DSA kommen kann. Wer immer schon wissen wollte welche DSA-Romane die Redax empfiehlt wird hier fündig und Andeutungen auf die Zukunft dürfen natürlich auch nicht fehlen.
Anton Weste ist es der den Leser danach wieder mitnimmt in „Das Herz des Kontinents“ wo wir erfahren was wirklich die entscheidenden Einflüsse in der Geschichte Gareths waren.
In „Helden wie wir“ dagegen lernen wir diejenigen kennen die DSA entscheidend beeinflussen und beeinflusst haben. Die Redakteure und Autoren stellen sich vor und geben allerlei Interessantes und Uninteressantes von sich preis.
Gewissermaßen den Abschluss vor dem Anhang bildet Stefan Küppers Geschichte „Die letzte Glut“ in der er uns mitnimmt auf eine Reise in die Zukunft, ans Ende der Welt. DSA ist immer noch eine Fantasywelt und so findet sich dort kein Borbarad der Dere mit seinem Raumschiff bedroht. Statt dessen kämpfen die Götter am letzten Tag gegen die Dämonen nachdem beide Seiten ihre Streiter gesammelt haben. Dabei sind die Andeutungen und Anknüpfungen dieser Geschichte aber wirklich nur für DSA-Profis verständlich.
Die letzten 100 Seiten nimmt zum einem eine Übersicht der jüngsten aventurischen Geschichte ein die sich an den seit 1984 erschienen Publikationen orientiert. Zum anderem hat man eine Liste aller bis dato erschienen DSA-Publikationen angefügt, die natürlich schon während ich dies schreibe erweitert werden müsste. Bei den fremdsprachigen Varianten von DSA fehlt leider die französische Edition und natürlich ist auch nicht jedes Merchandisingprodukt aufgeführt. Im Bereich der deutschen Boxen und Bücher scheint sie aber vollständig zu sein und das sind ziemlich viele Publikationen.

Was bleibt nach dieser recht umfangreich geratenen Inhaltsangabe also noch zu sagen?
„Magische Zeiten“ bietet ein buntes und kurzweiliges Allerlei das irgendwie alles mit DSA zu tun hat. Dabei hat man versucht sowohl dem unerfahrenen Leser als auch dem quellenbücherfressenden Enzyklopädisten etwas zu bieten. Während die am Anfang stehenden Artikel über die Grundlagen von RPG und DSA letzteren sicher wenig interessieren dürfte er an den Kurzgeschichten seine helle Freude haben, die aber auch ein umfangreiches Wissen erfordern. Die Geschichten widmen sich fast alle der aventurischen Geschichte, wobei die gesamte Sammlung im Zeichen des aktuellen Großprojektes, dem Jahr des Feuers, steht. Dabei kommen sowohl die ganz alten Hasen zu Wort (z. Bsp. Thomas Römer, Hadmar v. Wieser) als auch die Vertreter der jungen Generation (z. B. Katharina Pietsch, Tyll Zybura)
Vor dem Leser wird das gesamte Panorama dieses Rollenspiels aufgespannt und er kann sich die ihm genehmen Stücke heraussuchen.
Wer seit 20 Jahren von DSA begeistert ist sollte dieses Buch kaufen um der nostalgischen Momente wegen, wer seit 20 Monaten DSA spielt sollte es kaufen wenn er sich für die Entwicklung der Welt interessiert auf der seine Helden heute zuhause sind.

Magische zeiten kaufen.
"Ich glaubte es wäre ein Abenteuer, aber in Wirklichkeit war es das Leben." - Joseph Conrad

Ruadriel

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Re: [Rezension] Magische Zeiten
« Antwort #1 am: April 20, 2005, 15:22:51 Nachmittag »
Hach ja *wehmütig seufzt*
Hab das Buch auf der Leipziger Buchmesse gleich mit Widmung von Momo Evers geholt, es ist so schön, so viele bekannte Gestalten zu treffen, sich an alte Sachen zu erinnern...  :-)

CipVah

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Rezension Magische Zeiten
« Antwort #2 am: Juli 23, 2009, 02:04:23 Vormittag »
was fьr eine unglaublich schlechte rezension. hдtte wohl besser zu clueso oder so gepasst. knyphausen selbst hдtte nen eigenen verriss bestimmt sogar selbst besser hinbekommen ;-
naja, auch wenn es unwichtig ist: wollte ich doch mitteilen, dass der text einfach schlecht ist.